In der Arbeit mit Menschen, die unter Stress, Erschöpfung oder unter den Symptomen verschiedener Erkrankungen leiden, geht es oft darum, negative Glaubensmuster wie „ich bin schuld“, „wir erschaffen Krankheit durch unsere Gedanken“ , „Krankheit ist eine Strafe Gottes“ oder „Krankheit ist mieses Karma“ zu lösen. Solche Glaubensmuster sind meist unbewusst, aber tief in uns verwurzelt. Oft wurden sie von Generation zu Generation weitergegeben. Sie ruhen in uns wie Blasen und steigen auf, wenn wir gestresst, erschöpft oder auf andere Weise geschwächt sind. Dann nutzen sie die Gunst der Stunde… Das Problem daran ist, dass solche negativen Glaubensmuster den idealen Nährboden für Scham, Schuld und Ängste liefern. Wenn wir mit solchen Emotionen nicht gut umgehen, vergrößern sie den Stress und behindern die Genesung.

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Beschuldigung und Beschämung sind keine heilsamen Reaktionen auf Krankheit, vielmehr sollten wir mit Mitgefühl und Selbstmitgefühl, Liebe und Selbstliebe reagieren. Kleine Kinder zeigen oft noch ganz natürlich diese spontane, aus dem Herzen kommende Reaktion auf ein verletztes Tier oder einen kranken Menschen. Im Lauf des Lebens wird diese spontane, mitfühlende Reaktion, die in uns Menschen angelegt ist, von Konzepten und Vorstellungen überlagert.

Wir versuchen dann, gedanklich zu ergründen „Warum trifft die Erkrankung ausgerechnet mich, mein Kind, meine Freundin, meinen Vater….?“. Auf der Suche nach Antworten greifen wir nach Ideen und Konzepten, die uns die Erfahrung von Krankheit „verstehbar“ machen. Je nach dem, welche Vorstellungen, Erkenntnisse und Geschichten zu einer bestimmten Zeit durch die Gesellschaft wabern, halten wir an ihnen fest. Wir suchen nach Begründungen, Erklärungen, hoffen, dass Begründungen uns Entlastung liefern, hoffen, eine Schublade zu finden, in der wir dieses Krankheits- / Erschöpfungs- /Stressding ablegen oder es zuordnen können.

Schubladen aber sind meistens nicht wirklich hilfreich, weil Erkrankungen immer ein komplexes Geschehen sind und wir die Einflussfaktoren nicht überschauen können. Da hilft es, ganzheitlich auf den Menschen zu schauen und ihn nicht nur als Symotomträger in einer Schublade abzulegen. Letztlich kann niemand mit Sicherheit sagen „dieses kommt von diesem“. Und damit meine ich nicht, dass Krankheit keine Ursachen hat oder dass wir aufhören sollten, Ursachen zu erforschen. Eher, dass die Ursachen vielfältig sind und es daher nicht hilfreich ist, Glaubensmuster an ihnen festzubinden, die ihrerseits den Boden für Schuld- und Schamgefühlen bereiten. Ein Satz, der uns in der Ausbildung zur Emotionscode- und Bodycode Anwenderin von Dr. Bradley Nelson daher immer wieder eingeschärft wurde lautet: „Everything can cause everything“, zu deutsch „alles kann von allem kommen“ oder „alles kann die Ursache von allem sein“.

Das ist eine Einladung, Glaubensmuster, Konzepte und Überzeugungen bewusst loszulassen, sich für umfassende Weisheit zu öffnen und sich von ihr intuitiv leiten zu lassen. Es entsteht dann ein innerer Raum, der uns zu Mitgefühl und Selbstmitgefühl zurückzufinden lässt. Mitgefühl und Selbstmitgefühl sind heilsam und lassen uns auf seelischer und körperlicher Ebene genesen, auch wenn ein Zustand völliger Gesundheit manchmal nicht möglich ist.

Der Herr mit Hut sitzt übrigens in Belgien am Strand von Knoke-Heist. Ich stelle mir vor, dass er meditiert und zu guten Lösungen kommt!